Küss mich,

Muse!

Symbolbild für Kreativität: Ein Pinsel trägt rote Farbe auf einen türkisfarbenen Hintergrund auf.

Momente der Inspiration

Wie Sie und die Kreativität beste Freunde werden, warum geniale Einfälle glücklich machen und was man dafür tun kann, noch bessere Ideen zu haben.

 

Hier steht ein kreativer Einstieg … Ein richtiger Anfang für diese Geschichte fiel uns selbst nach einer Stunde und zwölf Minuten nicht ein. Aber immerhin hatten wir schon ein bisschen recherchiert, wie sich das ändern lässt, wie man kreativ wird. Ein Tipp, auf den wir immer wieder gestoßen sind: sich unter die Dusche stellen. Schwierig im Büro. Gehen wir erst mal mittagessen! Auch das sollte helfen.

Und tatsächlich: In nicht einmal fünf Minuten waren die Zeilen, die Sie gerade gelesen haben, geschrieben. Eier in Senfsoße und eine Schorle im Restaurant brachten so viel wie Seife und Wasser unter der Brause: Das Hirn konnte abschalten, einzig und allein der Bauch war beschäftigt. Je entspannter es ist, lehrt die Psychologie, desto eher kommt es auf kreative Ideen, auf Unerwartetes, Überraschendes, Neues. Strengt sich der Mensch dagegen an und denkt intensiv nach, machen seine grauen Zellen immer dasselbe: Sie rufen die Empfindungs- und Gedächtnismuster ab, die am nahe­­ liegendsten sind. Uns wären die Eier in Senfsoße entgangen und Sie hätten bis hierher vielleicht nur eine langweilige Definition gelesen, die mit dem Satz beginnt: »Was ist Kreativität eigentlich?«

Die Zahl Elf an einer Hauswand

Eine steile These und die Wissenschaft

Mal sehen, ob die Mittagspause noch wirkt und uns eine Antwort auf diese Frage gelingt, die nicht langweilig ist. Eine, die man nicht genauso gut in Wikipedia finden würde. Die nicht langatmig, sondern kurz und prägnant ist. Da hilft nur eine eigene steile These: Kreativität ist das Gegenteil von­ Logik. Die Logik sagt: Eins und eins macht zwei. Die Kreativität sagt: Eins und eins macht eine Elf.

Die wissenschaftliche Antwort auf die Frage »Was ist Kreativität?« überlassen wir anderen. Zum Beispiel Joy Paul Guilford. Der Psychologie-Professor der University of Southern California war einer der Ersten, der sich damit beschäftigte. In seiner Studie »Creativity« aus dem Jahr 1950 beschreibt er Kreativität als »divergentes Denken« . Im Gegensatz zum »konvergenten Denken« , das versucht, eine korrekte Lösung zu finden, zielt es darauf ab, möglichst einzigartige­ Lösungen hervorzubringen.

Ein Kreativitätsgen gibt es nicht


Probieren wir es aus! Lassen Sie uns mal gemeinsam divergent denken. Was würden Sie sagen: Wer war oder ist kreativ? Goethe, Beethoven, Van Gogh, Einstein … Die fallen auch uns zuerst ein. Aber denken wir doch mal weiter: Sind nicht auch Kinder kreativ, wenn sie im Unterricht malen und Erlebnisaufsätze schreiben? Eltern, die es vor Schulschluss nicht mehr extra zum Einkaufen geschafft haben und aus den Zutaten, die noch im Kühlschrank sind, trotzdem ein leckeres Essen für sie zubereiten? Jede und jeder kann kreativ sein, egal wie alt, intelligent oder berühmt. Die einen bepflanzen wunderschöne Gärten, den anderen gelingen geniale Moves beim Online-Gaming. Ein Kreativitätsgen, das nur manche haben, gibt es nicht, sagt Professor Kurt Heller, Hochbegabungsforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dennoch gebe es Charakteristiken und Verhaltensmuster, die besonders kreativ denkende Menschen gemeinsam haben: Sie sind neugierig, flexibel, leidenschaftlich bei der Sache, ihr Ziel ist ihnen wichtiger als Normen.

Ganz einfach um die Ecke denken


Und die beste Nachricht: Kreativität lässt sich beflügeln. Einen Tipp, der die Gedanken frei wie einen Vogel macht, hatten wir ja schon: Abschalten, ob bei einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft, beim Sport, in der Mittagspause oder – genau – unter der Dusche. Was noch hilft? Neues ausprobieren und erleben. Ein neues Hobby, Reisen zu unbekannten Orten, mal einen anderen Weg in die Arbeit nehmen … All das inspiriert. Wollen die Ideen doch nicht sprudeln, kann man auf unterschiedlichste Kreativitätstechniken zurückgreifen. Brainstorming ist wohl die bekannteste. Doch es gibt noch Dutzende mehr und zu jeder einzelnen mindestens ebenso viele Bücher, die sie ausführlich erklären. Ein guter Überblick über die wichtigsten Tech­niken findet sich unter karrierebibel.de/kreativitaetstechniken. Und auch die Kreativitätsübungen fördern das Um-die-Ecke-Denken.

Der Soft Skill für mehr Glück und Erfolg


Aber lohnt sich der ganze Aufwand? Sogar doppelt! Zum einen macht Kreativität zufrieden. Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als eine Herausforderung durch eine ganz eigene Lösungsidee zu meistern und zu sehen, was man erschaffen hat. Zum anderen bringt Kreativität Pluspunkte im Beruf. Das soziale Netzwerk LinkedIn analysierte in einer Studie Tausende Stellenausschreibungen. Das Ergebnis: Kreativität ist für Unternehmen die Nummer eins unter den erwünschten Soft Skills der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – egal in welchem Beruf. Schließlich macht sie Abteilungen und ganze Firmen innovativer, flexibler und durch vielfältige Ideen für bessere Arbeitsabläufe auch effizienter.

Nur logisch, also nicht einmal besonders kreativ, wenn Unternehmen diese Eigenschaft ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern. Gibt es also doch bald Duschen in Büros, Hallen und Filialen? Nicht nötig, meint Psychiater und Kreativitätsforscher Prof. Dr. Rainer M. Holm-Hadulla von der Uni Heidelberg. Am effektivsten sei es, wenn Unternehmen das Wissen ihrer Belegschaft weiterentwickeln. Schließlich lege es den wichtigsten Grundstein für Kreativität überhaupt. Denn Ideen entstehen dadurch, dass gespeichertes Wissen neu kombiniert wird. Und je mehr davon vorhanden ist, desto einfacher ist es für das Gehirn, solche Verknüpfungen zu bilden. Der Wunsch nach Kreativität liefert Unternehmen also einen Grund mehr, in die Fortbildung ihrer Belegschaft zu investieren.

Und Glückwunsch, wenn Sie es bis hierher geschafft haben. Denn auch das sagt die Psychologie: Lesen fördert ebenfalls Wissen und die Kreativität.

Symbolbild für den Kuss der Muse: Nahaufnahme von zwei sich küssenden Marmorfiguren

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